Trockenakte
Alle Artikel
Dokumentation

Trocknungsprotokoll: Muster und was hineingehört

Daniel··5 Min. Lesezeit

Die Trocknung ist gemacht, die Geräte sind abgebaut, die Rechnung geht an den Versicherer. Zwei Wochen später kommt die Kürzung: Gerätetage nicht nachvollziehbar, Messwerte fehlen, Stromkosten nicht belegt. Meistens liegt es nicht an der Arbeit, sondern am Trocknungsprotokoll.

In diesem Artikel steht, was in ein Trocknungsprotokoll gehört, wie du es aufbaust und woran Regulierer bei der Prüfung hängen bleiben.

Wozu das Trocknungsprotokoll da ist

Das Protokoll ist der Nachweis, dass die Trocknung nötig, richtig gemacht und abgeschlossen war. Der Regulierer war nie vor Ort. Er sieht nur, was du aufgeschrieben hast. Jede Position deiner Rechnung, die er im Protokoll nicht wiederfindet, ist ein Kandidat für eine Kürzung.

Ein gutes Protokoll beantwortet drei Fragen:

  1. Was war nass? Welche Räume, welche Bauteile, welche Materialien, wie stark.
  2. Was hast du getan? Welche Geräte, wo, wie lange, mit welchem Stromverbrauch.
  3. Woher weißt du, dass es trocken ist? Messwerte über die Zeit bis zum Trocknungsziel.

Viele Betriebe orientieren sich dabei an der Struktur der VdS 3150, den Richtlinien zur Leitungswasserschaden-Sanierung. Sie beschreibt, welche Angaben eine nachvollziehbare Dokumentation enthält. Das Protokoll muss kein bestimmtes Formular sein, es muss die Daten vollständig und lesbar enthalten.

Was in ein Trocknungsprotokoll gehört

1. Stammdaten des Schadenfalls

  • Schadennummer des Versicherers. Sie gehört auf jedes Blatt und auf die Rechnung.
  • Versicherer und Ansprechpartner, ggf. Schadensteuerer oder Netzwerk
  • Versicherungsnehmer (VN) mit Anschrift
  • Schadenort: Straße, Ort, Etage, Wohnung
  • Schadendatum und, soweit bekannt, die Ursache (z. B. „undichte Pressfitting-Verbindung in der Vorwand“)
  • Dein Betrieb, Ansprechpartner, Datum der Erstellung

2. Messpunkte

Jeder Messpunkt bekommt eine feste Bezeichnung (MP1, MP2 …) und bleibt über die ganze Trocknung derselbe. Zu jedem Messpunkt gehören:

AngabeBeispiel
RaumBad
BauteilWand Nord
MaterialGipskarton auf Ständerwerk
Position1,20 m von der Tür
Höhe30 cm über Fußboden
Messmethodekapazitiv (Digits)
Trocknungsziel35 Digits (Referenzpunkt trocken)

Die Messmethode ist wichtig, weil Werte verschiedener Methoden nicht vergleichbar sind. 80 Digits kapazitiv und 3,5 CM-% sind zwei völlig verschiedene Aussagen. Mehr dazu im Artikel zur Ausgleichsfeuchte von Estrich und Gipskarton.

3. Messrunden

Jede Messrunde ist eine Zeile mit Datum und Uhrzeit, dem Wert je Messpunkt und dem Raumklima (Temperatur und relative Luftfeuchte). Die erste Runde ist die Ausgangsmessung vor oder beim Aufstellen der Geräte, die letzte die Abschlussmessung.

Was Regulierer sehen wollen: eine fallende Kurve. Werte, die sich über Tage nicht bewegen, brauchen eine Erklärung (Dämmschicht noch nass, Gerät gewechselt, Raum nicht beheizt). Wie oft gemessen wird, steht im Artikel zum Messintervall bei der Trocknung.

4. Geräte und Laufzeiten

Für jedes Gerät:

  • Gerätetyp (Kondenstrockner, Adsorptionstrockner, Ventilator, Seitenkanalverdichter …) und Anzahl
  • Aufstellort (Raum)
  • Datum aufgestellt und abgebaut, daraus die Gerätetage
  • Zählernummer des Zwischenzählers, Zählerstand bei Aufbau und Abbau
  • Wenn möglich ein Foto des Zählers bei Aufbau und Abbau

Aus den Zählerständen ergibt sich der Stromverbrauch, den der VN erstattet bekommt. Wie die Aufstellung aussieht, beschreibt der Artikel zu den Stromkosten der Bautrockner.

5. Maßnahmen und Schadenaufnahme

Pro betroffenem Bauteil: Umfang (Fläche, Höhe), Aufbau (z. B. Estrich auf Trittschalldämmung) und die Maßnahme: technische Trocknung, Dämmschichttrocknung, Rückbau, Desinfektion. Diese Angaben begründen, warum ein Seitenkanalverdichter statt eines einfachen Kondenstrockners stand.

6. Abschluss

  • Datum, an dem das Trocknungsziel erreicht wurde
  • Abschlussmessung mit allen Messpunkten
  • Wer die Trocknung beendet hat
  • Fotos von Messpunkten und Geräten, mit Datum

Das Protokoll ist kein Dokument für den Schluss. Wer erst am Ende abschreibt, was auf Zetteln steht, verliert Messrunden und Zählerstände. Trag jede Runde am Tag der Messung ein.

Muster: so ist ein Trocknungsprotokoll aufgebaut

Ein übersichtlicher Aufbau auf wenigen Seiten:

  1. Kopf: dein Briefkopf, Titel „Trocknungsprotokoll“, Schadennummer, VN, Schadenort, Versicherer.
  2. Fakten zum Fall: Schadendatum, Ursache, betroffene Räume, Beginn und Ende der Trocknung.
  3. Messtabelle: Messpunkte als Zeilen, Messrunden als Spalten, darunter das Raumklima je Runde. Ein kleiner Verlauf (Kurve) je Messpunkt hilft beim Lesen.
  4. Geräteliste: Gerät, Raum, aufgestellt, abgebaut, Tage, Zählerstände, kWh.
  5. Schadenaufnahme: Bauteile mit Umfang und Maßnahme.
  6. Fotodokumentation: Messpunkte, Geräte, Zähler, Schadenbild.
  7. Abschluss: Trocknungsziel erreicht am …, Unterschrift.

Woran Regulierer hängen bleiben

  • Lücken zwischen den Messrunden: zwölf Tage Geräte, aber nur zwei Messungen.
  • Messpunkte, die wandern: MP2 ist mal die Wand, mal der Estrich.
  • Kein Trocknungsziel: dann ist nicht nachvollziehbar, warum die Geräte noch standen.
  • Gerätetage ohne Datum: „ca. 14 Tage“ statt aufgestellt am 3., abgebaut am 17.
  • Stromkosten ohne Zählerstände: geschätzte Werte werden gern pauschal gekürzt.
  • Fehlende Schadennummer: Protokoll und Rechnung lassen sich nicht zuordnen.

So geht es schneller

Die meisten Daten entstehen vor Ort: Messwerte, Zählerstände, Fotos. Je näher sie am Moment der Messung festgehalten werden, desto vollständiger wird das Protokoll. Mit Trockenakte sprichst du die Messrunde vor Ort ein („Bad: MP1 85, MP2 72, Raumluft 21 Grad, 55 Prozent“), die App ordnet die Werte den Messpunkten zu, und das Trocknungsprotokoll entsteht aus den gesammelten Daten als PDF, nach der Struktur der VdS 3150.

FAQ

Gibt es ein vorgeschriebenes Formular für das Trocknungsprotokoll?

Nein. Wichtig ist, dass die Angaben vollständig und nachvollziehbar sind. Viele Betriebe orientieren sich an der Struktur der VdS 3150; ein eigenes Layout ist in Ordnung, solange Stammdaten, Messpunkte, Messrunden, Geräte und Abschluss drinstehen.

Wer bekommt das Trocknungsprotokoll?

In der Regel der Versicherer oder Schadensteuerer mit der Rechnung, oft auch die Hausverwaltung oder der VN. Bei Abtretung geht es zusammen mit der Rechnung direkt an den Versicherer.

Reicht eine Excel-Tabelle als Protokoll?

Wenn alle Angaben drin sind, ja. Das Problem ist selten das Format, sondern die Vollständigkeit: fehlende Runden, fehlende Zählerstände, Messpunkte ohne Material und Methode.

Müssen Fotos ins Protokoll?

Fotos sind nicht in jedem Fall verlangt, helfen aber bei der Prüfung erheblich: Messpunkte, Geräte am Aufstellort und Zählerstände bei Auf- und Abbau beantworten viele Rückfragen, bevor sie gestellt werden.


Foto: RDNE Stock project / Pexels

Daniel

Gründer von Trockenakte. Baut Software für Betriebe, die ihre Dokumentation auf der Baustelle erledigen wollen statt abends im Büro.

Den nächsten Fall einsprechen statt abtippen.

Befund, Messwerte und Geräte vor Ort einsprechen. Trockenakte macht daraus Ortungsbericht, Trocknungsprotokoll und Rechnung.

Keine Kreditkarte · 2 aktive Fälle kostenlos

Das könnte dich auch interessieren